Biorespect - Wir hinterfragen Biotechnik

News

Juni 2026


 

EU-Parlament: Freipass für Gentech-Essen

Nach dem Umweltausschuss hat auch das Europäische Parlament heute Mittwoch die Regulierung der sogenannten Neuen Genomischen Techniken (NGT) angenommen und damit den Weg für eine weitreichende Deregulierung gentechnisch veränderter Pflanzen geebnet. Künftig sollen Nutzpflanzen, die mit Verfahren wie CRISPR/Cas erzeugt wurden, deutlich weniger strengen Auflagen unterliegen als bisher. Die zentrale Frage für die Schweiz ist jetzt nicht nur, ob die Schweiz NGT-Pflanzen verbieten kann, sondern auch, ob sie deren Einfuhr und Verbreitung künftig noch wirksam kontrollieren kann, wenn die EU-Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit für einen Teil dieser Pflanzen entfällt. Das wird einer der wichtigsten Streitpunkte der laufenden Revision des Schweizer Gentechnikrechts sein.

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EU-Umweltausschuss winkt Deregulierung der neuen Gentechnik durch

Die Verordnung über Pflanzen aus neuen gentechnischen Verfahren hat die nächste Hürde genommen: Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (EP) hat das Ergebnis der Trilogverhandlungen heute Abend mit 58 zu 31 Stimmen ohne Änderungen bestätigt. Dem Plenum des Europäischen Parlaments, das am Mittwoch dieser Woche am Zug ist, empfiehlt er, dasselbe zu tun. Über Änderungsanträge zu Themen wie Kennzeichnung oder Patente wird das EP-Plenum neu entscheiden.Die Antragsteller müssen die Änderungsanträge jetzt neu im EU-Parlament einbringen. Es ist noch nicht abzusehen, ob das Parlament dem Ausschuss mehrheitlich folgt. Immerhin liegen über 30 Änderungsanträge vor, die verhindern wollen, dass die neue Gentechnik umreguliert auf den Markt kommt. 

> Umweltausschuss


 

Saatgutpatente: Immer mehr Patente auf natürliche Genvarianten 

Die jüngsten Recherchen der Organisation Keine Patente auf Saatgut, der auch biorespect angehört, zeigen einen alarmierenden Trend: Natürlich vorkommende genetische Eigenschaften von Pflanzen werden zunehmend als technische Erfindungen patentiert. Laut dem Bericht waren es allein in 2025 über 40 Patentanmeldungen. Das gefährdet die Ernährungssicherheit und schafft gefährliche Monopole. Das Europäische Parlament hat bei seiner bevorstehenden Abstimmung über die künftige Regulierung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT), die Chance, der fortschreitenden Monopolisierung von Saatgut ein Ende zu setzen. NGT-Anwendungen sind ein Treiber für die steigende Zahl von Saatgutpatenten. 

> Keine Patente auf Saatgut


 

Mai 2026


 

Eizellenspende und Marktinteressen

biorespect hat im Februar 2026 mit der Expertin Diane Tober ein Gespräch über notwendige Abwägungen zu Eizellenspenden geführt. In der Schweiz wurde das Gesetzgebungsverfahren zur Zulassung der Eizellenspende bereits eingeleitet. Ein erster Entwurf wird noch in diesem Jahr erwartet. Trotz unzureichender Forschungslage soll das Verfahren zugelassen werden. Das kritisiert Diane Tober im Interview. Statt um die Hilfe zur Erfüllung des Kinderwunsches gehe es um harte Marktinteressen auf Kosten der Gesundheit von Eizellenspenderinnen. 

> hier geht es zum Interview


 

gv-Kartoffeln: Freisetzung bewilligt

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat der Agroscope einen umstrittenen Freisetzungsversuch in Reckenholz (ZH) bewilligt. Die Versuchsreihe soll bis zum Herbst 2030 dauern. In zwei Kartoffellinien wird ein Resistenzgen eingefügt. So will man gegen die die Knollenfäule vorgehen. Das Resistenzgen ist bereits patentiert, was zu weiteren Abhängigkeiten führen kann. Mehrere Organisationen, darunter biorespect, haben in einer Stellungnahme auf den mangelnden Nutzen für die Schweizer Landwirtschaft sowie auf Interessenskonflikte hingewiesen. (swissinfo)


 

Patentamt umgeht Patentrichtlinie

Ein neuer Bericht vom Verband «No Patents on Seeds», dem auch biorespect angehört, belegt, dass das Europäische Patentamt EPA bestehende Regeln und Gesetze umgeht. Patente auf Pflanzen aus klassischer Züchtung sind in Europa verboten. Doch die aktuelle Praxis des EPA zeigt, dass dieses Verbot konsequent umgangen wird. Wie aktuelle Präzedenzfälle belegen, erteilt das EPA Patente auf natürlicherweise vorkommende Gene. Auch die Pflanzen, die diese Gene in ihrem Erbgut tragen, fallen unter die Reichweite der Patente. Es wird also das patentiert, was durch das Patentrecht ausgeschlossen wird. Besonders deutlich wird das im Falle eines Patentes der Firma KWS auf klassisch gezüchteten Mais mit verbesserter Verdaulichkeit. Das Patent umfasst natürlicherweise vorkommende Genvarianten und die mit Hilfe dieser Genvarianten ausgewählten Pflanzen. 

> Aktueller Bericht No Patents on Seeds


 

April 2026


 

EU: Freie Bahn für gv-Mikroorganismen 

Die EU-Kommission will die Freisetzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen in die Umwelt erleichtern. Bisher werden gentechnisch veränderte Algen, Bakterien, Pilze und Hefen in geschlossenen Systemen eingesetzt. Jetzt bringen Unternehmen erste gv-Bakterien auf dem Acker aus. Dort kann sich das manipulierte Erbgut unkontrolliert verbreiten. Der Deregulierungsvorschlag soll diese Freisetzungen nun wesentlich erleichtern. Dabei bestehen grosse Wissenslücken um das Risikopotenzial solcher Freisetzungen. Der Vorschlag steht in einer Reihe von Deregulierungsmassnahmen, die zur Zeit in der Eu durchgedrückt werden sollen. (Informationsdienst Gentechnik)


 

EU: Neue Gentechnik auf dem Vormarsch

Der Ministerrat der EU hat mit knapper Mehrheit der Vorlage zur Deregulierung der sogenannten neuen Gentechnik zugestimmt. Jetzt kommt es auf das EU Parlament an: Im Mai steht die parlamentarische Abstimmung an. Dann wird sich zeigen, ob Verbraucherinnen und Verbraucher weiter eine Wahlmöglichkeit haben werden oder ob Pflanzen, die mit der neuen Gentechnik manipuliert wurden, auf den Tellern landen und das Verfahren unreguliert bleibt.  Eine Koalition von Parlamentarier:innen kündigen ihre Ablehnung an, denn die Frage der Patente bleibt ungeklärt. Die Schweiz ist jetzt gefragt, ihre Landwirtschaft gentechfrei zu halten.  (Infodienst Gentechnik)


 

Mehrheit gegen Patente auf Saatgut

Die Koalition Keine Patente auf Saatgut, der auch biorespect angehört, veröffentlicht die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in fünf EU-Mitgliedsstaaten. Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Bild: Rund 80 Prozent der Befragten lehnen Patente auf Lebewesen wie Pflanzen und Tiere ab. Die Koalition fordert die EU daher auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und Patente auf Pflanzen und Tiere wirksam zu verbieten. (No Patents on Seeds)
> Umfrageergebnisse 


 

Was heisst «Neue» Gentechnik? EKAH zu Metaphern über Gentechnik

Die Eidgenössische Ethikkommission im Bereich für die Biologie im Ausserhumanbereich EKAH, hat sich in einer Stellungnahme mit der Bedeutung von Metaphern befasst, die die Debatte rund um die «Neue Gentechnik» prägen. Begriffe wie Genschere oder eben neue Gentechnik sollen dazu dienen, die technischen Begrifflichkeit einer breiten Öffentlichkeit verständlicher zu machen. Gleichzeitig bedienen diese Metaphern auch bestimmte Vorstellungen. Die EKAH empfiehlt daher, bei der Verwendung bestimmter Begrifflichkeiten im öffentlichen Diskurs, auch immer eine mögliche Fehlinterpretation in Betracht zu ziehen.  (Stellungnahme EKAH)


 

März 2026


 

Schweizerische Samenbörse: Saatgutmarkt in Basel

Die Schweizerische Samenbörse in der Gerbergasse 30 in Basel feiert 5-jähriges Jubiläum. Seit dem Frühjahr 2021 wurde an vielen verschiedenen Orten Saatgut verteilt und Möglichkeiten zum Saatguttausch geschaffen. Im Jubiläumsjahr sind mehrere Veranstaltungen geplant. Start ist am 9. April um 18 Uhr. Im Safe werden ausgewählte Samen ausgestellt. Es gibt Informationen über den Anbau und Saatgut zur Mitnahme für Balkon und Garten steht zur Verfügung.  (Samenbörse)


 

Gentherapiestudie am Kinderspital Zürich geplant

Am Universitätskinderspital in Zürich wurden von einer Kinderärztin und einer Tiermedizinierin die Bewilligung von klinischen Versuchen am Menschen beantragt. Bisher erfolgten die Versuche an Mäusen. Getestet werden soll ein Gentherapeutikum, das eine Therapie gegen Septische Granulomatose (bei den Betroffenen funktionieren die Immunzellen nicht richtig) bringen soll. Die Blutstammzellen aus dem Knochenmark werden im Labor verändert. Sie sollen nach Rückgabe dann den Fehler im Erbgut ausgleichen. Die Antragstellerinnen sind überzeugt, dass die Zellveränderung ausserhalb des Körpers weniger riskant ist, als andere Gentherapien. (srf)


 

Initiative für Lebensmittelschutz: Unterschriften eingereicht

Am Freitag, 27. Februar, war es so weit: über 130.000 Unterschriften wurden bei der Bundeskanzlei eingereicht. biorespect war dabei. 
Damit setzt die Schweizer Bevölkerung ein klares Zeichen für den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft. Die Initiative fordert eine umfassende Risikoprüfung gentechnisch veränderter Organismen, dies gilt auch für die Verfahren der sogenannten neuen Gentechnik. Patente auf Saatgut gefährden zunehmend unsere Nahrungsmittel und schränken die freie Züchtung weiter ein. Deshalb setzen sich die Unterzeichnenden auch für ein Verbot von Patenten auf Saatgut ein. (Initiative)


 

Februar 2026


 

Freisetzung von gv-Kartoffeln geplant

Im Rahmen eines Nationalen Forschungsprojektes stellt Agroscope ein Bewilligungsgesuch für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffellinien. Die industriell genutzte Kartoffelsorte wird mittels neuer gentechnischer Verfahren verändert. Das Bundesamt für Umwelt, BAFU hat das Gesuch am 26.1.26 veröffentlicht. biorespect und andere fordern dringend eine Zurückweisung des Gesuches, denn es scheint in erster Linie wirtschaftlichen Interessen ausländischer StartUps zu nutzen. Ein Vorteil für die Schweizer Landwirtschaft ist nicht ersichtlich. Trotzdem sollen öffentliche Mittel dafür verwendet werden. Der Vorgang läuft ausserdem sehr intransparent ab. Die Öffentlichkeit soll nicht weiter informiert werden. 

> Stellungnahme biorespect
> Gesuch BAFU


 

Europäisches Patentamt torpediert Patentgesetz - Patent auf Tomaten erteilt

Das Europäische Patentamt EPA hat ein Patent auf die traditionelle Züchtung von Tomaten mit einer Resistenz gegen ein Pflanzenvirus an die niederländische Firma Rijk Zwaan erteilt. Die Genvarianten, die die Resistenz verteilen, wurden in wilden Tomaten entdeckt, die aus Ursprungsländern, wie Peru stammen. Dies, obwohl das Europäische Patentrecht solche Patente ausdrücklich verbietet. In den letzten Jahren weitete das EPA die Patentierung immer mehr auf den Bereich der konventionellen Züchtung aus. Ein fatales Vorgehen, denn so wird die freie Züchtung zunehmend bedroht. Die Organisation No Patents on Seeds, der auch biorespect angehört, fordert dringend Schritte, um die bestehenden Verbote im Patentrecht zu stärken. (No Patents on Seeds)


 

Glyphosat: Bayer kauft sich frei

Der Pharmakonzern Bayer und die Tochterfirma Monsanto haben in den USA Sammelvergleiche in Milliardenhöhe geschlossen. Aktuelle und auch künftige Klagen gegen den Konzern wegen möglicher Krankheitsfolgen durch das Herbizid Roundup sollen so abgegolten werden. Bayer bestreitet nach wie vor, dass der Unkrautvernichter krebserregend ist. Seit Jahren überziehen Betroffene in den USA den Konzern mit Klagen. Allerdings muss das Vergleichsangebot, das bis zu 21 Jahre gelten soll, noch von einem US-Gericht bestätigt werden. Es wurde bekannt, dass Monsanto bereits mehrere Vergleiche mit Klägern geschlossen hat, die nicht veröffentlicht wurden. Bayer erhofft sich dadurch Rückenwind, denn die Monsantoübernahme war bisher ein milliardenschweres Risiko. (Spiegel-online)


 

EU-Umweltausschuss stimmt Deregulierung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik zu

Der Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments hat mehrheitlich der Deregulierung der neuen Gentechnik zugestimmt. Nun kommt es auf das Plenum des Europaparlamentes an. Anfang Februar soll über den Deregulierungsvorschlag abgestimmt werden.  Der Gesetzesentwurf ist ein Paradigmenwechsel und richtet sich direkt gegen das Vorsorgeprinzip. Organismen, die mit der sog. neuen Gentechnik hergestellt werden sollen nicht länger wie Gentechnik geregelt werden. Das heisst, es fallen Risikoprüfungen weg und die Produkte werden nicht gekennzeichnet.  Zudem fehlt eine Koexistenzregulierung. (gentechfrei.ch)


 

Künstliche Gebärmutter 

Forscherteams aus Europa, China und den USA haben Modelle einer künstlichen Gebärmutter im Labor entwickelt. Die Studien erschienen Anfang Januar in den Fachmagazinen Cell und Cell Stem Cell.  Die etwa eine Woche alten Embryonen, die aus künstlicher Befruchtung gespendet wurden, haben sich mit der künstlichen Gebärmutter verbunden.  Alle Experimente wurden aufgrund gesetzlicher Auflagen spätestens am 14. Tag nach der Befruchtung beendet. Das Ziel der Forschung soll die Weiterentwicklung Frühgeborener sein. (TAZ.de)


 

Januar 2026


 

Volksinitiative Lebensmittelschutz auf der Zielgeraden

Die von mehreren Schweizer Umweltverbänden ins Leben gerufene Lebensmittelschutzinitiative fordert eine Kennzeichnungspflicht, Massnahmen zum Erhalt der gentechnikfreien Landwirtschaft, keine Patente auf Saatgut aus herkömmlicher Züchtung, die Einhaltung desVorsorgeprinzips sowie eine Risikoprüfung für gentechnisch veränderte Organismen. Damit die Schweiz hierzulande strengere Regeln einhält, als auf EU-Ebene jetzt geplant, braucht es noch einige Unterschriften für die Initiative. (Lebensmittelschutz.ch)


EU-Umweltausschuss winkt Deregulierung der neuen Gentechnik durch

Die Verordnung über Pflanzen aus neuen gentechnischen Verfahren hat die nächste Hürde genommen: Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (EP) hat das Ergebnis der Trilogverhandlungen heute Abend mit 58 zu 31 Stimmen ohne Änderungen bestätigt. Dem Plenum des Europäischen Parlaments, das am Mittwoch dieser Woche am Zug ist, empfiehlt er, dasselbe zu tun. Über Änderungsanträge zu Themen wie Kennzeichnung oder Patente wird das EP-Plenum neu entscheiden.Die Antragsteller müssen die Änderungsanträge jetzt neu im EU-Parlament einbringen. Es ist noch nicht abzusehen, ob das Parlament dem Ausschuss mehrheitlich folgt. Immerhin liegen über 30 Änderungsanträge vor, die verhindern wollen, dass die neue Gentechnik umreguliert auf den Markt kommt. 

> Umweltausschuss