Basler Appell

 

Präimplantationsdiagnostik (PID) 

  • ist die molekulargenetische Untersuchung des Embryos vor der Übertragung in die Gebärmutter einer Frau
  • setzt eine künstliche Befruchtung voraus
  • bringt gravierende ethische Probleme mit sich
  • soll in der Schweiz zugelassen werden

Verfahren

Nach einer Hormonstimulation werden der Frau durchschnittlich 12 bis 14 Eizellen entnommen und künstlich befruchtet. Zur Durchführung einer PID braucht man 8 bis 12 Embryonen. Dem Embryo werden am dritten Tag nach der Befruchtung, er ist nun im 4-10 Zellstadium, 1 bis 2 Zellen entnommen und auf genetische oder chromosomale Auffälligkeiten untersucht. Nur jene Embryonen, die keine Auffälligkeiten aufweisen, werden in die Gebärmutter der Frau implantiert, der Rest wird vernichtet.

Mittels PID können individuelle Risiken für genetisch bedingte Krankheiten identifiziert werden. Darunter fallen Zystische Fibrose, Thalässemie, Hämophilie A, Muskeldystrophie Duchenne und eine Reihe anderer Gendefekte.

Diagnostiziert werden können aber auch Veranlagungen für spät manifeste Erkrankungen. Trägt eine Frau beispielsweise das BRCA1-Gen in sich, steigt ihr Risiko für Brustkrebs -  allerdings nur für eine bestimte Art, die etwa fünf Prozent aller Brustkrebsfälle ausmacht.  Ein weiblicher Embryo als Träger des Gens kann so aussortiert werden.

PID dient zunehmend auch dem Aufspüren von chromosomalen Abweichungen, die das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter und das Austragen des Fötus negativ beeinflussen. So hofft man, die Schwangerschaftsraten nach einer künstlichen Befruchtung zu erhöhen.

Mit dem Gen-Check am Embryo kann auch das Geschlecht des Embryos bestimmt werden – nicht nur aufgrund geschlechtsgebundener Erbkrankheiten sondern auch, um das Wunschgeschlecht des Embryos auszuwählen. «Social-Sexing» oder «Family-Balancing» wird inzwischen routinemässig angewandt.

Mit Hilfe der PID kann auch ein genetisch «passendes» Kind erzeugt werden, welches dann für ein erkranktes Geschwister als Zell- oder Gewebespender zur Verfügung steht.


Ethische Probleme

Die PID ist ethisch fragwürdig. Es handelt sich um ein selektives Verfahren, nur Embryonen, die die gesuchten Abweichungen oder Schäden nicht aufweisen, werden implantiert. Bei welchen Erkrankungen eine PID zum Einsatz kommen soll, ist nicht geklärt. Eine Eingrenzung auf «schwere» Krankheiten ist nicht haltbar, das hat die internationale Praxis gezeigt. Die PID wird inzwischen für alle testbaren genetischen Abweichungen angeboten.

Die PID kann zu einer Entsolidarisierung mit Behinderten oder Kranken führen, da der Eindruck entsteht, dass bestimmte Krankheiten oder Behinderungen vermeidbar seien. Vermieden wird allerdings nicht die Krankheit, sondern der Embryo als Träger dieser Krankheit wird verhindert.

Die PID ist keine Alternative zur pränatalen Diagnostik. Die PID gilt immer noch als experimentielles Verfahren, bei dem es in etwa 30 Prozent der Fälle zu Fehlern kommt. Daher wird nach dem Eintreten einer Schwangerschaft nach eine Pränatale Diagnostik angeraten, um das Ergebnis abzusichern.

Es gibt keinen Wertungswiderspruch zwischen dem Recht auf einen straffreien Schwangerschaftsabbruch für Frauen und einer PID. Bei einer Entscheidung für den Abbruch einer Schwangerschaft befindet sich die Frau in einer Konfliktsituation, bei der sie ihre Interessen gegen die Interessen des Embryos abwägen muss und sich in einer Notlage befindet. Bei der PID ist eine Notlage fraglich: es wird nicht auf einen bestehenden Konflikt reagiert, sondern die Situation wird durch ärztliches Handeln erst herbeigeführt.

Durch die PID wird die Indikation für eine künstliche Befruchtung erweitert. Eigentlich fruchtbare Frauen, die auf natürliche Weise schwanger werden könnten, unterziehen sich einer riskanten Hormonstimulation und setzen sich der nicht unproblematischen Prozedur einer künstlichen Befruchtung aus, damit der Gen-Check am Embryo durchgeführt werden kann.


Situation in der Schweiz

Die Zulassung der PID in der Schweiz ist näher gerückt. Am 14. Juni wird die Volksabstimmung zur Verfassungsänderung stattfinden. Der Gesetzesentwurf wurde von den parlamentarischen Gremien ausgeweitet. Nun soll auch das allgemeine Chromosomenscreening für alle IVF-Embryonen erlaubt werden ohne dass eine genetische Belastung der Paare vorliegt. Die Schweiz hätte damit eine der weitgehendsten Regelungen in Europa. Gegen den Gesetzesentwurf in der jetzigen Form wird eine breite Koalition der Zivilgesellschaft das Referendum ergreifen. biorespect organisiert in Zusammenarbeit mit weiteren 16 Organisationen den Widerstand gegen das Gesetz ausserhalb der kirchlichen Kreise.


Geltendes Recht

  • Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 119
    (> pdf)
  • Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG
    (> pdf)

 

Gesetzliche Änderungsvorhaben

  • Schlussabstimmungstext 12.12.2014Verfassungsänderung (>pdf)
  • Schlussabstimmungstext 12.12.2014 Fortpflanzungsmedizingesetz (>pdf)
  • Entwurf zur Änderung des FMedG (>pdf)
  • Entwurf zur Änderung von Art. 119 BV (>pdf)
  • Botschaft zur Änderung von Art. 119 BV sowie des FMedG, 2013 (>pdf)
  • Entwurf Änderung Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG, 2009
    (> pdf)
  • Vernehmlassungsbericht zur Änderung von Art. 119 BV sowie des FMedG, 2012 (>pdf)
  • Vernehmlassungsantwort Basler Appell gegen Gentechnologie, 2009
    (> pdf)
  • Entwurf Änderung Artikel 119 Bundesverfassung, 2011 (> pdf)
  • 2. Entwurf Änderung Fortpflanzungsmedizingesetz FMedG, 2011 (> pdf)
  • Vernehmlassungsantwort Basler Appell gegen Gentechnologie, 2011 (> pdf)


Hintergrundinformationen

  • «Check und weg», Broschüre des Basler Appells gegen Gentechnologie zum Thema
    (> pdf)
  • Faltblatt PID und NIPD (>pdf)

 

Präimplantationsdiagnostik Broschüre

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