Basler Appell

 

Letzte Meldungen
März 2012

29. März 2012
Widerstand in Grossbritannien

Die englische Supermarktkette Morrison's verlangt von ihren Geflügel-Lieferanten zukünftig keinen Nachweis mehr,  dass bei der Fütterung gentechnikfreies Futter verwendet wurde. Die Aktionsgruppe GM-Freezes ruft nun die KonsumentInnen zum Widerstand auf.  Auch gegen die Freisetzung von gv-Weizen werden britische NGOs aktiv. In Herfordshire soll gv-Weizen freigesetzt werden, der Schädlinge mittels Pheromonen abwehrt. Nähere Informationen auf den Seiten von GM Freezes.


26. März 2012
Neue Superschädlinge auf dem Acker?

Neue Forschungsergebnisse belegen die Ausbreitung von giftresistenten Wurzelbohrern in Regionen, in denen der gentechnisch veränderte Mais MON88017 der Firma Monsanto angebaut wird. Derzeit wird darüber beraten, ob der Gentech-Mais auch in der EU angebaut werden darf. «Die aktuelle Veröffentlichung aus den USA zeigt eine neue Dimension bei der Entwicklung resistenter Fraßinsekten. Es ist bereits bekannt, dass sich der Wurzelbohrer an den Anbau von insektengiftigem Mais anpassen kann. Jetzt sieht es aber danach aus, als ob die angepassten Schädlinge gleichzeitig eine höhere Fitness aufweisen und sich so noch rascher ausbreiten können. Wir raten dringend davon ab, diesen Mais für den Anbau zuzulassen», sagt Christoph Then von Testbiotech. Die Anpassung der Schadinsekten ist nicht das einzige Problem. Dieser Mais produziert nicht nur ein Insektengift, sondern widersteht zudem dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (bekannt als Roundup). Aktuelle Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der großflächige Anbau von herbizidresistenten Pflanzen eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Population des Monarchfalters ist. (Dossier Testbiotech)


21. März 2012
Kind nach Mass

Ein neuer vorgeburtlicher Test soll ab Frühsommer 2012 auch in der Schweiz Ungeborene mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) herausfiltern. Ab dem zweiten Monat ist kindliches Zellmaterial im Blutkreislauf der schwangeren Frau festzustellen. Mit dem Bluttest werden die DNA-Fragmente herausgefiltert und untersucht. Ein Röhrchen Blut der Schwangeren soll Aufschluss darüber geben, ob das Ungeborene an Trisomie 21 leidet. In den USA wird das Verfahren seit letztem Jahr angewandt. In der Schweiz soll der Test ab der zwölften Schwangerschaftswoche möglich sein. Kosten wird der sogenannte «Praenatest» etwa 1500 Franken, das Resultat liegt in zehn Tagen vor. Fachleute sind sich einig, dass mit dem Praenatest nicht nur nach Trisomien, sondern bald nach allen möglichen Eigenschaften und Anomalien gesucht werden wird. Auch die Bestimmung des Geschlechts oder der Augenfarbe wäre möglich. insieme Schweiz, die Dachorganisation für Menschen mit einer geistigen Behinderung, äussert grosse Bedenken, dass der gesellschaftliche Druck auf Schwangere steigen wird, bei positivem Befund einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. 


21. März 2012
US-BürgerInnen fordern Kennzeichnung

18 US-Bundesstaaten wollen gegen den Widerstand der Industrie eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und Inhaltsstoffen durchsetzen. Mehr als 400 Organisationen unter der Federführung des Center for Food Safety haben eine Petition für eine Kennzeichnung lanciert, die von 850.000 BürgerInnen unterzeichnet wurde. Unterstützt wird die Aktion inzwischen von 55 Kongressmitgliedern. Nach Angaben des Centers will eine überwältigende Mehrheit der US-BürgerInnen die Entscheidungsfreiheit, ob sie Produkte kaufen, die GVOs enthalten. Der Verband der Lebensmittelhersteller in den USA schätzt, dass GVOs in über 75 Prozent der Nahrungsmittel auf dem Markt enthalten sind. Dagegen formiert formiert sich zunehmend Widerstand. Organisationen wenden sich auch vermehrt gegen die Einflussnahme der Industrie, vor allem gegen Monsanto. 


16. März 2012
Russland distanziert sich von Klonforscher

Die Erklärung von Hwang Woo Suk, mittels Gewebeproben aus dem russischen Jakutien endlich ein Mammut zu klonen, kam scheinbar etwas zu früh: Die dortige Akademie der Wissenschaften dementiert - der umstrittene Wissenschaftler bekommt keine Überreste der eiszeitlichen Elefanten. Man hätte zwar ein Abkommen unterzeichnet, dieses beziehe sich aber nicht auf die Überreste der ausgestorbenen eiszeitlichen Elefantenart, sagte ein Stellvertreter der Akademie der Wissenschaften. Hwang Woo Suk hatte angekündigt, Zellkerne aus sibirischem Mammutgewebe in Eizellen eines indischen Elefanten einsetzen zu wollen. Diese Eizellen sollten dann einer Elefantenkuh eingepflanzt werden, damit sie den Embryo austrägt. Der einst als Fälscher entlarvte Forscher Hwang Woo Suk versucht nicht zum ersten Mal, an Mammutgewebe zu kommen. Wie im Prozess gegen ihn im Jahr 2006 herauskam, hatte er Teile seiner Fördergelder an die russische Mafia weitergeleitet, damit diese die Gewebeproben beschafft. Hwang wurde von einem Gericht wegen Veruntreuung von Forschungsgeldern und illegaler Beschaffung von Eizellen verurteilt.(www.spiegelonline.de)


15. März 2012
Lobbyisten sitzen mit am Tisch

Passend zum 10. Geburtstag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zeigt ein umfassender NGO-Report, dass trotz neuer Regeln zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit solcher Gremien, der Einfluss der Industrie sehr gross ist. Es besteht also weiterhin grosser Handlungsbedarf. Die Studie zeigt, dass die EFSA ihre wissenschaftliche Expertise oft auf Industriedaten stützt. Experten der EFSA sind zugleich für Lobbyorganisationen der Lebensmittelindustrie, insbesondere für das International Life Science Institute (ILSI) tätig. In den letzten Jahren wurde wiederholt über Interessenskonflikte und enge Verbindungen zur Industrie berichtet. In diesem Jahr sollen mehrere Expertengruppen neu besetzt werden. Zugleich soll das Gründungsstatut der EFSA neu überarbeitet werden. Es böten sich also genug Chancen, etwas an der Verflechtung zwischen Prüfbehörden und der Industrie zu ändern. Dazu gibt es ein kurzes, erklärendes Video zur EFSA und den Verbindungen zur Industrie.


14. März 2012
Gen-Impfstoff für Wildtiere auf Spitzbergen?

Am 27. März 2012 findet in Oslo eine öffentliche Anhörung zur Frage des Einsatzes gentechnisch veränderter Impfstoffe statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Zentrum für Biosicherheit Genok und der norwegischen Kommission für Biotechnologie. Bei Füchsen und Rentieren auf Spitzbergen wurde Tollwut festgestellt. Die Krankheit ist bei Wildtieren nur schwer zu bekämpfen. In Norwegen stellt man nun die Frage, ob für diesen Fall ein genmanipulierter Impfstoff eingesetzt werden soll. WissenschaftlerInnen des Institutes Genok haben zur Risikoüberprüfung genetisch veränderter Impfstoffe einen Bericht veröffentlicht. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass bei gentechnisch veränderten Impfstoffen bisher keine Risikoprüfung stattfand, die die Auswirkungen des Impfstoffes auf die Umwelt untersucht. Risikoprüfungen fokussieren bisher lediglich auf unerwünschte Nebenwirkungen bei den geimpften Tieren selbst.


10. März 2012
Gentech-Pflanzen: Nationale Anbauverbote längst üblich

EU-Mitgliedsstaaten dürfen den Anbau gentechnisch veränderte Pflanzen auf ihrem Gebiet auch weiterhin aus politischen oder sozioökonomischen Gründen nicht verbieten. Ein von Dänemark ausgehandelter Kompromiss erhielt gestern im EU-Ministerrat nicht die erforderliche qualifizierte Mehrheit. Mehrere Länder lehnen eine größeren nationalen Entscheidungsspielraum als nicht vereinbar mit den Binnenmarkt-Regeln und WTO-Verträgen ab. Doch die politische Praxis sieht längst anders aus: Zehn EU-Länder, darunter Deutschland und Frankreich haben nationale Verbote erlassen. Sie berufen sich dabei auf mögliche Gefahren für die Umwelt. (www.transgen.de)


06. März 2012
Einspruch wegen Nanotubes

Gegen die von der H. C. Starck geplante Anlage zur Produktion von Kohlenstoffnanoröhrchen hat der Gemeinderat von Laufenburg/Schweiz beim Regierungspräsidium Freiburg eine Einwendung eingereicht. Seit 2006 betreibt H. C. Starck im Werk Rhina eine Versuchsanlage zur Herstellung von Carbon Nanotubes. Dies sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff, bis zu 10 000-mal dünner als ein menschliches Haar, aber bis zu mehreren Zentimetern lang. Wegen ihrer außergewöhnlichen technischen Eigenschaften werden Carbon Nanotubes in immer mehr Produkten verwendet. Die H. C. Starck will deshalb ihre Versuchs- in eine reguläre Herstellungsanlage umwandeln und die Produktionskapazität von 60 auf 75 Tonnen erhöhen. Dagegen haben der Verein Lebenswerter Hochrhein und die Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein Bedenken angemeldet. Sie verweisen auf Studien, in denen Nanotubes ähnliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nachgesagt werden wie Asbest. (Der Südkurier)


02. März 2012
Herstellungsstopp für Grippevirus gefordert

Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) in Berlin und Testbiotech (München) wandten sich mit einem offenen Brief an Angela Merkel. Sie fordern die Bundeskanzlerin auf, sich für einen Stopp der Herstellung von neuen Varianten des Vogelgrippevirus (H5N1) und eine Beschränkung des Zugangs zu den Genom-Daten einzusetzen. Wissenschaftlern ist es gelungen, im Labor eine Variante des Virus herzustellen, die für Säugetiere extrem gefährlich ist. Die Wissenschaftler haben am 20. Januar 2012 ein Moratorium für ihre Arbeit beschlossen, um der Öffentlichkeit die Gelegenheit zu geben, Stellung zu beziehen. Testbiotech und das GeN fordern nun die Kanzlerin auf, sich zu dem Thema zu äußern. Gleichzeitig soll eine breitere Diskussion in der Öffentlichkeit angeregt werden. Der Brief wird deswegen für weitere mögliche Unterzeichner bis Ende Juni online gestellt. Weitere Informationen unter www.testbiotech.de.


01. März 2012
Genmanipulierter Mais schädigt Marienkäferlarven

WissenschaftlerInnen der ETH Zürich konnten frühere Untersuchungen ihrer Kollegen bestätigen: Das von genmanipuliertem Mais (wie MON810) gebildte Bt-Toxin Cry1Ab tötet Marienkäferlarven! Die ForscherInnen um Angelika Hilbeck setzten sich auch mit einer Kampagne auseinander, mit der die Ergebnisse der Kollegen angefeindet worden waren. Sie wiesen nach, dass die von ihren Kritikern verwendeten Testverfahren ungeeignet waren. Bereits 2008 wurde festgestellt, dass Marienkäferlarven, die im Labor mit Futter gefüttert wurden, das Cry1Ab enthielt, durch das Gift getötet wurden. Diese Untersuchung war die Grundlage für das MON810 Anbauverbot 2009 in Deutschland. Nähere Informationen auf den Seiten von genfoodneindanke.



Letzte Meldungen
Februar 2012

29. Februar 2012
NationalrätInnen für Moratoriumsverlängerung

Gestern haben 122 Nationalrätinnen und Nationalräte quer durch alle Fraktionen eine Motion unterzeichnet, die eine Verlängerung des Gentech-Moratoriums anstrebt. Das derzeit geltende Gentech-Moratorium, das den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Schweiz verhindert, läuft im November 2013 aus. Mit der Motion soll eine Verlängerung mindestens bis 2017 erreicht werden. Zwischen 2014 und 2017 soll der Anbau von GVO in der Schweizer Landwirtschaft dann im Rahmen der Agrarpolitik neu beurteilt werden. Der Basler Appell gegen Gentechnologie begrüsst den Vorstoss im Nationalrat. Es gibt nach wie vor einen grossen Widerstand in der Bevökerung und bei Schweizer Bauern gegen den Anbau von GVOs im Land, dies hat auch die Politik erkannt.


24. Februar 2012
Verändertes Fischverhalten durch Nanopartikel

Kunststoff-Nanopartikel können offenbar das Fressverhalten und den Fettstoffwechsel bei Fischen beeinflussen. Das wollen Forscher von der Lund Universität in Schweden nachgewiesen haben. Die Forscher verwendeten für ihre Studie 24 Nanometer große Polystyrol-Teilchen. Sie gaben die Partikel in eine Algenkultur und fütterten diese dann an Zooplankton. Nach einiger Zeit wurde das Zooplankton an Karauschen verfüttert. Eine Kontrollgruppe an Fischen erhielt die gleiche Menge an Nahrung, jedoch ohne Nanoteilchen. Die Menge des Futters war so knapp bemessen, dass die Fische abnehmen und ihre Fettreserven verbrauchen mussten. Innerhalb eines Monats bewegten sich die Tiere in der Testgruppe mit Nanofutter langsamer, hatten weniger Interesse am Plankton und brauchten länger zum Fressen. Die Fische in der Kontrollgruppe nahmen stetig ab, während die Tiere Nanogruppe zunächst Gewicht verloren, am Ende der Versuche aber wieder zunahmen. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Nanoteilchen den Fettstoffwechsel und die Energiereserven beeinflussen. (Spiegel-online vom 24.2.2012)


23. Februar 2012
Frankreich will gv-Mais aus EU verbannen

Das französische Umweltministerium fordert die EU-Kommission auf, die Anbaubewilligung für Monsantos Bt-Mais MON810 zu überprüfen und zurückzunehmen. Das Ministerium beruft sich dabei auf die letzten wissenschaftlichen Studien, die dem genmanipulierten Mais erhebliche Risiken für die Umwelt und die Gesundheit zuschreiben.Wie Testbiotech berichtet, zeigen aktuelle Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität Caen, dass Bt-Toxine, die Insekten abtöten sollen, auch menschliche Zellen schädigen können. In den Experimenten hat ein Bt-Toxin, das auch im genveränderten Mais MON810 produziert wird, deutliche Schäden ausgelöst. Zur Zeit verbieten bereits sechs EU-Mitglieder Monsantos gv-Mais: Deutschland, Ungarn, Griechenland, Luxemburg, Österreich und Belgien. Sollte die EU-Kommission dem Antrag nicht nachkommen, so wird Frankreich MON810 auf Grundlage der Sicherheitsklausel, auf die sich auch die anderen sechs Länder berufen, verbieten. Eine aktuelle Umfrage hierzu ist noch bis zum 23. März 2012 geschaltet.


22. Februar 2012
Noch mehr Nanopartikel am Hochrhein

Bereits seit 2007 produziert BayerMaterialScience auf dem Gelände der Firma H.C. Starck am Hochrhein in Laufenburg (D), direkt an der Schweizer Grenze, Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Diese Nano-Tubes sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff mit einem Durchmesser zwischen einem Fünf-Zehntausendstel eines menschlichen Haares. In Verbindung mit anderen Stoffen bewirken sie eine Verbesserung von deren Eigenschaften, beispielsweise der Stabilität. Verwendung finden sie in Lacken, Rotorblättern und diversen Sportgeräten. Bisher läuft der Betrieb als Versuchsanlage, eine spezielle Risikoprüfung fand nicht statt. Nun gibt es einen Antrag auf Ausweitung als Produktionsanlage für eine Jahresproduktion von 75 Tonnen. Vor dieser Ausweitung warnt nun neben anderen die «Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein». Die Umweltmedizinierin Barbara Dohmen sieht in der Produktion und Verwendung von Nanotubes ein grosses Gefährdungspotential für die menschliche Gesundheit. Die winzigen Partikel könnten wie Asbestfasern über die Atemwege oder Haut in den Körper gelangen und dort Krebs oder Lungen- und Herzerkrankungen auslösen.  Nähere Informationen auf den Seiten der BayerCoordination.


21. Februar 2012
USB-Stick sequenziert DNA in Sekunden

Das in Oxford ansässige Unternehmen Nanopore Technologies hat einen USB-Stick namens "MinION" entwickelt, der genetischen Code im Schnellverfahren sequenzieren kann. So soll er für die Entschlüsselung des Erbmaterials von Bakterien und Viren nur wenige Sekunden benötigen. Das Gerät lässt sich an handelsübliche Computer anstecken und könnte weitreichende Auswirkung auf die Genomforschung haben. Nanopore arbeitet nun an einer leistungsfähigeren, größeren Ausgabe des Geräts. Dieses trägt den Namen GridION und soll den Prozess noch schneller abwickeln und größere Genome verarbeiten können. Das derzeitige Limit liegt bei 10.000 Basenpaaren. MinION soll im Laufe des Jahres auf den Markt kommen und wird voraussichtlich 900 Dollar (aktuell rund 680 Euro) kosten. Die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts soll damit schätzungsweise sechs Stunden in Anspruch nehmen.(www.pressestext.com)